"Zutiefst erschüttert"Mit ICE wollen US-Olympioniken nichts zu tun haben
Sie sind weit weg von ihrer Heimat, doch die ICE-Einsätze verfolgen die US-Sportler bis zu den Olympischen Winterspielen. Zwei Freestyle-Skifahrer positionieren sich klar. Einem Olympiasieger von 2022 ist es wichtig, für ein anderes Amerika einzutreten.
Sie sind für spektakuläre Sprünge, Salti und Schrauben bei den Olympischen Spielen - doch mit dem Kopf zumindest zeitweise ganz woanders. Zwei amerikanische Freestyle-Skifahrer haben sich emotional gegen die tödlichen Einsätze der Beamten der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE in ihrer Heimat aufgelehnt. Es fällt ihnen schwer, dieses Amerika auf der großen Bühne der Winterspiele zu vertreten.
So sagte unter anderem der Olympiasieger von 2022 im Aerials Mixed, Chris Lillis: "Oft zögern Sportler, über politische Ansichten zu sprechen, aber ich bin zutiefst erschüttert." Er hoffe, dass er die Spiele nutzen kann, um ein anderes Bild der USA zu vermitteln, denn: "Ich liebe die USA und würde niemals ein anderes Land vertreten wollen."
Olympiasieger wird deutlich
Die harte Durchsetzung der Einwanderungsmaßnahmen von Präsident Donald Trump durch ICE hat landesweit Proteste ausgelöst, die letzten Monat in Minneapolis zur Tötung von zwei US-Bürgern führten. Die dreifache Mutter Renee Good wurde am 7. Januar in ihrem Auto erschossen, wobei ICE behauptete, sie habe im Rahmen eines gewalttätigen Protests in Notwehr gehandelt. Wenig später wurde Alex Pretti getötet. Der Krankenpfleger wurde erschossen, während er mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden lag.
"Als Land müssen wir uns darauf konzentrieren, die Rechte aller zu respektieren und sicherzustellen, dass wir unsere Bürger genauso gut behandeln wie alle anderen", sagte Lillis vor der Teilnahme an seinen zweiten Olympischen Spielen. "Ich hoffe, dass die Menschen, wenn sie die Athleten bei den Olympischen Spielen sehen, erkennen, dass dies das Amerika ist, das wir repräsentieren wollen."
Lillis war bei den Winterspielen vor vier Jahren in Peking der Star seines Landes, als er im Finale der Mixed-Team-Aerials einen Fünffachsprung zeigte, Gold für die USA holte und damit Gastgeber China düpierte. Sein Trick - ein dreifacher Rückwärtssalto mit fünf Drehungen - gilt weithin als die schwierigste Figur im Aerial. Lillis erhielt für seinen Sprung 135,00 Punkte, die höchste Punktzahl des gesamten Wettbewerbs.
"Ice House" wurde umbenannt
Auch sein Teamkollege Hunter Hess, der in der Halfpipe auf Medaillenjagd geht, äußerte seinen Unmut gegen das Vorgehen von ICE. "Es ist ein bisschen schwierig. Es gibt offensichtlich viele Dinge, die mir nicht gefallen, und ich glaube, vielen Menschen geht es so", sagte der 27-Jährige.
Dass er die Kleidung des US-Teams trägt, auf der die Flagge weithin sichtbar ist, mache etwas mit dem Olympia-Debütanten: "Nur weil ich die Flagge trage, heißt das nicht, dass ich für alles stehe, was in den USA vor sich geht." Er konzentriere sich daher auf das Gefühl, Freunde und Familie zu vertreten und "alles, was ich an den USA für gut halte".
Die amerikanischen Athleten waren vor der offiziellen Eröffnung am Freitagabend darauf hingewiesen worden, dass sie bei den Spielen mit einem frostigen Empfang rechnen müssen. So wurden sie bei der Zeremonie zwar mit Applaus begrüßt, als die Kameras aber Vizepräsident JD Vance auf der Ehrentribüne zeigten, tönten Buhrufe und Pfiffe durch das Mailänder Stadion.
Die Nachricht, dass ICE-Beamte auch bei den Spielen in Norditalien vor Ort sein werden, hatte für Unmut und Proteste gesorgt. Eine Unterkunft des US-Olympia-Teams, in der Freunde, Familien und Sponsoren in Mailand zusammentreffen, wurde aufgrund scharfer Kritik von "Ice House" in "Winter House" umbenannt.
